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Aufbau der Föderation
von Identitätsdiensten
für den Bildungsraum Schweiz
Standortbestimmung in den Kantonen

Vielschichtiger Datenföderalismus

Digitale Identitäten sind der Nukleus im Gefüge vernetzter Systeme und Dienstleistungen. Über sie werden Rollen und Nutzungsrechte geregelt, Sicherheitsroutinen definiert, Datenschutzbestimmungen umgesetzt. Die künftige Föderation digitaler Identitäten muss vielfältige Organisationsformen und Technologien auf einen Nenner bringen.
FIDES Landschaft

Wer in der Stadt Zug lebt, kann sich in einem Pilotbetrieb via Blockchain eine digitale Identität zulegen und damit ein E-Bike reservieren, in der Stadtbibliothek Bücher ausleihen oder elektronische Leistungen der Behörden in Anspruch nehmen. Das Beispiel ist weltweit noch so einzigartig, dass es im August 2018 in einem Beitrag des kalifornischen Szenemagazins Wired erwähnt wurde.

Ganz ohne Medienecho bleiben in aller Regel die digitalen Identitäten im Alltag. Sie sind eine Grundvoraussetzung, um die Zugangsrechte zu Online-Diensten aller Art zu steuern. Im Bereich der Volksschule und der Sekundarstufe II gelten durch die Minderjährigkeit der Nutzerinnen und Nutzer sowie die Vielfalt der Strukturen besondere Anforderungen. Im Lauf der Zeit haben sich von Kanton zu Kanton und von Stufe zu Stufe sehr unterschiedliche Muster entwickelt.

Die künftige Föderation der Identitätsdienste im Bildungsraum Schweiz hat unter anderem das Ziel, die Durchlässigkeit und Mobilität von Bodensee bis Lac Léman und von Kindergarten bis Lehr- oder Mittelschulabschluss zu gewährleisten. Interviews in 21 Kantonen und eine landesweite Umfrage bei Schulleitungen haben die Vielfalt von Strukturen und Methoden die Strukturen sichtbar gemacht.

Modell 1: Zentral im Kanton

ID-Management Modell 1

Das häufigste Muster ist die zentrale Verwaltung der digitalen Identitäten von Lernenden, Lehrpersonen und Schulverwaltungsmitarbeitenden durch den Kanton. Die Informatikabteilung des Erziehungsdepartements oder das kantonale Informatikdepartement ist für die Erstellung der digitalen Identitäten verantwortlich. Die Personaldaten der Schülerinnen und Schülern stammen häufig direkt aus den Einwohnerämtern der Gemeinden oder, je nach Kanton, dem zentralen Einwohnerverzeichnis. Der Datentransfer erfolgt in der Regel jeweils zu Beginn des Schuljahres manuell. In einzelnen Fällen werden die Daten zwischen der Schulverwaltungslösung und den Einwohnerämtern bzw. der kantonalen Verwaltung zu bestimmten Zeitpunkten automatisch abgeglichen. Die Daten der Lehrpersonen und der übrigen Schulmitarbeitenden gelangen praktisch immer aus HR-Systemen der kantonalen Verwaltung an die Schule.

Modell 2: Zentrales System, lokale Verantwortung

ID Management Modell 1

In einer verbreiteten Variante von Modell 1 liegt die Verantwortung für die Datenpflege bei der Schule. Sie hat die volle Kontrolle über ihre eigenen Daten, hat aber keine Einsicht in die Daten anderer Schulen. Das System selber wird vom Kanton oder der Gemeinde bereitgestellt, betrieben und gewartet. Die digitalen Identitäten werden zentral bereitgestellt.

Modell 3: Eigene Lösung pro Schule

ID Management Modell 3

Ein drittes Muster ist vorab bei grösseren Schulen der Sekundarstufe II verbreitet: Sie verfügen über eine eigene Schulverwaltungslösung. Sie erfassen und pflegen sämtliche Daten von Schülerinnen, Schülern und Bildungspersonal selber. Damit verbunden ist die Bereitstellung der digitalen Identitäten.

Gewähr für Zugang im föderalistischen Gefüge

Innerhalb der drei Modelle bestehen zum Teil beträchtliche Unterschiede von einem Kanton zum andern. Sie sind der Vielfalt von Anbietern und dem institutionellen Gefüge in den einzelnen Kantonen geschuldet, aber auch dem historischen Entstehen der einzelnen Lösungen. Diese spezifischen Rahmenbedingungen werden die Entwicklung in den kommenden Jahren bestimmen. Bei allem institutionellen, technologischen und pädagogischen Föderalismus müssen die Zugänge zu allen Diensten auf lange Sicht gewährleistet sein. Das ist die Aufgabe der Föderation. Auch dann, wenn die Blockchain-ID vom Zukunftsradar der Wired-Redaktion in den Alltag gleiten wird.

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