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Aufbau der Föderation
von Identitätsdiensten
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Die Hoheit über das digitale Ich behalten

Der Kanton Basel-Stadt partizipiert an der Pilotentwicklung zum Projekt FIDES. Bildungsdirektor Dr. Conradin Cramer erklärt, was ihm bei diesem Engagement wichtig ist. Und wo er die zentralen Herausforderungen für die Schule in Bezug auf die digitale Identität sieht.
Dr. Conradin Cramer

Digitale Transformation in der Bildung ist ein breit und manchmal heiss diskutiertes Thema. Bevor wir zu den spezifischen Fragen kommen: Worauf kommt es Ihnen an, wenn Sie an «digitale Schule» denken?

Dr. Conradin Cramer: Die Entwicklung digitaler Technologien führt in allen Lebensbereichen wie auch in der Bildung zu grossen Erwartungen. Gleichzeitig löst sie aber auch Fragen und Zweifel aus. Eindeutig ist dabei für den Bildungssektor, dass wir die Kinder und Jugendlichen befähigen müssen, sich die erforderlichen Kompetenzen anzueignen, um die an sie gestellten Anforderungen in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft und Arbeitswelt bewältigen zu können. Die Schule muss dabei die Umsetzung der Digitalisierung in der Schule aktiv gestalten und stufengerecht fördern. Lernen in einer digitalen Welt ist keine einfache Kompetenz, sondern der hohe Anspruch, mit einer steigenden Komplexität bei erhöhtem Tempo des Wandels einen mündigen und produktiven Lern- und Bildungsprozess zu gestalten und zu verwirklichen.

Der Kanton Basel-Stadt will nun an den Volksschulen und am Zentrum für Brückenangebote alle Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler mit zusätzlichen Geräten ausrüsten. Welchen pädagogischen Mehrwert erwarten Sie von dieser Initiative?

CC: Unsere Schülerinnen und Schüler müssen nach Abschluss der Sekundarstufe I über die digitalen Kompetenzen verfügen, um in einer Berufslehre oder in einer Mittelschule ihren Bildungsweg fortsetzen zu können und um später in der Berufswelt bestehen zu können. Im Zentrum dieses Lernprozesses muss dabei immer die Qualität der Lehr- und Lernprozesse stehen. Digitale Technologien bringen nur dann einen Mehrwert, wenn sie zielgerichtet und an pädagogischen Prinzipien orientiert eingesetzt werden. Digitale Technologien müssen deshalb flexibel und modular einsetzbar sein, damit Lehrpersonen sie an die Bedürfnisse der Lernenden anpassen können.

Mit dem Basler Bildungsserver – edubs.ch- und der stark zentralisierten Verwaltung aller digitalen Identitäten an den Schulen ist Ihr Kanton in der digitalen Bildung praktisch autonom. Trotzdem sind Sie im Föderationsprojekt FIDES als Pilotkanton stark engagiert. Warum? 

CC: Die digitale Identität spielt auch im Bildungsbereich eine immer wichtigere Rolle. Da inzwischen immer mehr Inhalte mit dem Internet und dem Schulnetzwerk verbunden werden, wird es immer entscheidender über die digitale Identität auch Kontrolle zu haben. Nicht nur das Geld oder Vermögen von Menschen und Unternehmen, sondern auch grundlegende Institutionen für die Gesellschaft wie das Gesundheitswesen, öffentliche Dienste, Wahlen und die Schulen oder das Privatleben werden vermehrt öffentlich zugänglich gemacht. Deshalb kommen der digitalen Identität, ihrer Nachprüfbarkeit und ihrem Schutz eine zunehmende Bedeutung zu. Damit Schulen und die für sie verantwortlichen Institutionen weiterhin die Hoheit über das digitale Ich behalten können, braucht es mit FIDES so rasch wie nur möglich einen leistungsfähigen föderalistisch aufgebauten ID-Vermittlungsdienst. Dieser soll den Schulen und Schulträgern die freie und sichere Auswahl zwischen etablierten und innovativen neuen Bildungsangeboten verschaffen. Das bedeutet, die Hoheit über die digitalen Identitäten sowie die Gestaltungs- und Wahlfreiheit bei den Lehrinhalten soll weiterhin bei den Kantonen, Städten bzw. Gemeinden bleiben. Eine weitere grosse Bedeutung kommt zudem dem Datenschutz zu. Diesen gewährleisten zu können, wird ebenfalls zunehmend komplexer.

All diese Herausforderungen können nicht mehr in einzelnen Kantonen oder Städten gelöst werden. Um die Schulen auf die jetzigen und zukünftigen Herausforderungen und sie bestmöglich für eine sichere Digitalisierung vorzubereiten braucht es deshalb gemeinsame überkantonale Lösungen. FIDES ist im Bereich der digitalen ID die längst fällige Lösung für das Schweizer Bildungswesen, für die Schweizer Schulen.

Was bringt die Föderation dem Kanton Basel-Stadt kurzfristig? Und mit welchen Vorteilen rechnen Sie auf längere Sicht?

CC: Kurzfristig wird FIDES die Position nicht nur von Basel-Stadt als Verhandlungspartner stärken. Denn Vertragsverhandlungen werden einerseits immer aufwändiger und andererseits auch immer schwieriger. Ein föderierter, gesicherter Zugang zu angeschlossenen Online-Diensten, Bildungsclouds, kooperativen Lernumgebungen für Lernende, Lehrpersonen und Mitarbeitenden der Bildungsinstitutionen stärkt die Verhandlungsposition aller beteiligten Bildungsinstitutionen.

Langfristig wird FIDES den Bildungsinstitutionen die Steuerungsmöglichkeit erhalten und die Abhängigkeit reduzieren. Insbesondere die Gefahr sich als Schule in die Abhängigkeit eines grossen weltweit operierenden IT-Anbieters zu begeben, wird immer grösser. Kernpunkt um die auch für Schulen so wichtige Unabhängigkeit behalten zu können, ist die digitale Identität des Einzelnen, also von Lehrpersonen, Mitarbeitenden und SchülerInnen. Mit dem Setzen gemeinsamer Regeln und Standards gegenüber kleinen und grossen Schulanbietern wie Microsoft, Apple, Schulverlage etc. können diese auch besser durchgesetzt und deren Einhaltung überprüft werden. Mit diesen gemeinsamen Regeln und Standards werden zudem koordinierte Beschaffungen ermöglicht, die Nutzung von Online-Diensten ist geklärt und vereinfacht und generell wird die Verhandlungsposition gegenüber Dienstleistungsanbietern markant verbessert. Auch der Schutz der Identitäten und damit auch der Datenschutz können besser gewährleistet werden.

Weiter werden Lernende mit FIDES ihre digitale Identität über die gesamte Ausbildungszeit nutzen können und sollen auch die Möglichkeit erhalten diese später auf der tertiären Stufe weiterzuverwenden.

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