Skip to main content
Aufbau der Föderation
von Identitätsdiensten
für den Bildungsraum Schweiz
Interview mit Alan Moran, Gesamtprojektleiter FIDES

Die Architektur steht – jetzt folgen Tests

Die EDK-Plenarversammlung gab am 22. März 2018 den Startschuss zur ersten Aufbauphase der Föderation digitaler Identitätsdienste im Bildungsraum Schweiz (FIDES). Die Fachagentur educa.ch wurde mit der Projektleitung für diese Aufbauphase beauftragt. Die Basis für den Entscheid zum eigentlichen Aufbaustart muss im Juni 2019 vorliegen. Gespräch zur Halbzeit mit Projektleiter Alan Moran.
L'architecture est là

Digitale Transformation ist in aller Munde. Was trägt das Projekt FIDES dazu bei?

Alan Moran  Nehmen wir ein Beispiel aus dem Alltag. Mit der Identitätskarte können Sie an der Ladenkasse beweisen, dass Sie genau Person X sind und das gesetzliche Alter für Alkoholgetränke haben. Wenn Sie dann Ihre zwei Flaschen Wein mit der Kreditkarte bezahlen, gerät weder Ihr Name, Ihr Alter, noch Ihr Bankkonto in die Ladenkasse. Auch Herkunft und Qualität Ihres Lieblingsweins werden nicht erfasst. Der Zahlungsprozess läuft über einen Kartenzahlungsdient, dem Ihre Bank und der Ladenbesitzer angeschlossen sind. Wenn Sie Wein im Internet kaufen, passieren andere Sachen. Sie erklären z. B. über eine Checkbox «Ja, ich habe das gesetzliche Alter». Wenn der Shopverantwortliche sicher sein will, dass nicht ein Kind sich als erwachsen ausgibt, muss er ein komplexes, mehrstufiges Authentifizierungsverfahren einrichten. So oder so erhält er über den Bestell- und Zahlungsvorgang sehr viele und zum Teil sehr persönliche Informationen. Diese kann er mit Daten aus früheren Bestellungen verbinden und erhält so ein präzises Profil der Person hinter der Bestellung. Das Beispiel lässt sich auf Online-Abläufe in der Schule übertragen. Interaktive Lehrmittel oder Online-Tests erfordern die persönliche Authentifizierung.

Kurz und gut: Vertrauen und Datenschutz erfordern in einer digitalen Welt völlig andere Regeln, als wir sie analog gewohnt sind. Hier hakt das Projekt FIDES ein: Die Bildungs-ID wird gewährleisten, dass Transaktionen nicht beliebig auf die Identität der einzelnen Schülerinnen oder Schüler zurückgeführt werden können. Sie schafft die Grundvoraussetzung für Vertrauen, Schutz und Sicherheit.

Wo legen Sie in dieser Projektphase den Fokus Ihrer Arbeit?

A. M. Nach der Definition einer Architektur von Prozessen und Modulen liegt jetzt der Fokus bei Pilot- und Testinstallationen. Dafür sind die Wintermonate geplant. Ein halbes Dutzend Kantone und etwa gleich viele Dienstleistungsanbieter machen in dieser Phase mit. Parallel dazu werden wir im ersten Quartal 2019 in allen Sprachregionen Praxistests mit Lernenden aller Stufen durchführen.

Im Bereich der Hochschulen betreibt Switch einen ähnlichen Dienst. Warum brauchen Volksschule und Sek II eine eigene Lösung?

A. M. Dazu vorab: Wir arbeiten eng mit Switch zusammen, unter anderem in der FIDES-Steuergruppe. Die Stufen der obligatorischen Bildung, die verschiedenen Lernorte der Berufsbildung oder die Landschaft der Mittelschulen erfordern eine völlig andere Herangehensweise. Stichworte sind neben dem Föderalismus namentlich die Minderjährigkeit der meisten Nutzenden, die Rolle der Eltern und die kaum überschaubare Vielfalt von pädagogischen Quellen über sämtliche Fächer und alle Sprachregionen. Die ID-Verwaltung in der künftigen Föderation hat zum Ziel, in dieser Komplexität eine einfach erkennbare, verlässliche und systemunabhängige Authentifizierung zu gewährleisten. Durch die frühe Sensibilisierung für den Umgang mit der eigenen digitalen Identität leistet das Vorhaben zudem einen Beitrag zur digitalen Mündigkeit der jungen Menschen.

Werfen wir einen Blick nach vorne: Was muss erfüllt sein, dass Sie sagen können, das Projekt FIDES habe sein Versprechen eingelöst?

A. M. Es sind zwei Dinge. Ich werde halb zufrieden sein, wenn die Menschen im Bildungssystem, vom Schüler bis zur Bildungsdirektorin, ihre digitale Identität in Bildungsdiensten so selbstverständlich nutzen, wie ihre ID-Karte an der Ladenkasse oder am Flughafen. Ganz zufrieden werde ich sein, wenn die Schulen in der Schweiz ihren pädagogischen Auftrag in der digitalen Transformation optimal erfüllen können. So schafft FIDES eine Grundvoraussetzung für die künftige Digitalisierung der Bildung in der Schweiz.

DE
FR